Aktuelles

Wir waren auf der Werkstätten:Messe 2019

Bereits zum 13. Mal war die Arbeitsgemeinschaft pädagogische Systeme auf der Werkstätten:Messe in Nürnberg vertreten. Am Stand, im neuen Design unter dem Motto „Bildung für alle“ wurden u.a. neue Lerneinheiten präsentiert und viele interessante Gespräche geführt. Neben der digitalen Bildungswelt auf der Werkstätten:Messe bieten die Lerneinheiten der agps anerkanntes methodisch-didaktisches Bildungsmaterial, welches die Menschen aktiv in den Lernprozess einbezieht. „Lernen heißt, sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen statt etwas vorgesetzt zu bekommen“ so Prof. Dr. Gerd Grampp. Das große Interesse vieler Besucherinnen und Besucher am Stand der agps bestätigen diesen Bedarf. Die Teilnahme an der Werkstätten:Messe hat uns großen Spaß gemacht und wir freuen uns bereits auf den nächsten Besuch in Nürnberg.


"excellent"-Preis Bildung 2019 für die Ledder Werkstätten

Tecklenburg/Nürnberg. Bundesweite Auszeichnung für ein langjähriges Mitglied unserer agps: „Auf die Einstellung kommt es an – ein Verfahren zur Beteiligung des Werkstattrates in der Personalentwicklung“ hieß das Exposé der Ledder Werkstätten (LeWe), das die Fachjury in Nürnberg überzeugte. Dafür bekam die diakonische Einrichtung in Tecklenburg (1400 Menschen mit Behinderung) den „exzellent“-Preis Bildung 2019 bei der „Werkstätten:Messe“. Dr. Ingo Krüger, Vorstand der Bayerischen Sparkassenstiftung und Jurysprecher, sowie Martin Berg als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) überreichten der Werkstattratvorsitzenden Susanne Hielscher und LeWe-Geschäftsführer Ralf Hagemeier am 27. März die Urkunde. Krüger lobte die „konsequente Einbindung der Werkstatträte in die Personalentwicklung“. Der Laudator“: „Ein klarer Schritt hin zu mehr Mitwirkung und Selbstbestimmung. Hier findet Bildung statt, die Menschen befähigt und sie zu kompetenten Vertretern ihrer eigenen Interessen weiterentwickelt. Ein Beispiel, das Schule machen sollte!“ Geschäftsführer Ralf Hagemeier, seit vergangenem Monat auch Vorsitzender der agps, lud in seinen Dankesworten alle Mitglieder der BAG ausdrücklich ein: „Ich wünsche mir viele Nachahmer!“
Worum geht es in dem Verfahren und seinem Kernstück, dem „Kennenlerngespräch“? Geschulte Beschäftigte aus dem Werkstattrat, Vertretungsgremium der Menschen mit Behinderung, organisieren und führen Interviews mit neuen Fachkräften. Zwei durchführende Teams arbeiten seit Jahren mit dem Instrument, „um zu besprechen, welche Vorstellungen und Erwartungen wir an sie (die Fachkräfte) haben“, wie Susanne Hielscher erklärt. Der neue oder intern wechselnde Mitarbeitende wird beispielsweise gefragt, weshalb er sich beworben hat oder welche Fähigkeiten man, seiner Auffassung nach, für die Arbeit mit Menschen mit Behinderung braucht. Ein Fragenkatalog, den die Werkstatträte mitentwickelt haben, ermöglicht es Beschäftigten mit ihren individuellen Fähigkeiten, so ein Interview ohne Assistenz zu führen. Zum Verfahren gehört auch ein Auswertungsgespräch mit der Geschäftsführung.
Zum Programm der größten Sozial- und Bildungsmesse für berufliche Rehabilitation in Deutschland gehörten auch 90 Fachvorträge. In diesem Rahmen stellten Susanne Hielscher und Dr. Rebecca Dölling (Assistenz Geschäftsleitung) das Verfahren rund 80 Zuhörenden vor.


Mitgliederversammlung im März 2019

Im sechsten Jahr der Vereinsgründung wurden auf der  Mitgliederversammlung im März 2019 in Dülmen/NRW Themen der Zukunft der Arbeitsgemeinschaft behandelt. Vorgestellt wurde der neue Internetauftritt mit der umfassenden Datenbank und optimierten Vereinsdokumenten. Die Versammlung begrüßte insbesondere die neuen Mitglieder (Osnabrücker Werkstätten, Bottroper Werkstätten und Sozial-Betriebe-Köln). Susanne Anker, Koordinatorin des Vereins, berichtete von weiteren Anfragen zur Mitarbeit aus weiteren Bundesländern.
Wilfried Hautop, bisheriger Vorsitzender der agps e.v., stand nach drei Amtsperioden für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung. Die Mitgliederversammlung bedankte sich für sein besonderes Engagement und seine zukunftsweisenden Impulse für den Verein. Wilfried Hautop bleibt der Arbeitsgemeinschaft weiterhin als Mitglied verbunden. 
Als neuer Vorsitzender des Vereins wurde Ralf Hagemeier gewählt. Er ist Geschäftsführer der Ledder Werkstätten und war eines der Gründungsmitglieder der Arbeitsgemeinschaft. In der Funktion des Schriftführers wurde Ulrich Schlösser wieder in den Vorstand gewählt.
Der Vorsitzende, Ralf Hagemeier, freut sich, das neue Erscheinungsbild der agps erstmalig auf der Werkstätten:Messe vorzustellen.
 


Bundesbildungsministerin zu Besuch in den Ledder Werkstätten

Ministerin Anja Karliczek beeindruckt von Ergebnissen der agps e.V.

Bericht von Jörg Birgoleit
Ladbergen. Welche Handlungskompetenzen erwerben junge Menschen in der Beruflichen Bildung? Was für Praxisanteile erleben sie hier? Wie lässt sich diese Bildung standardisieren? Was ist notwendig, um auch komplexe Behinderungen einzubeziehen? Viele Fragen hatte Anja Karliczek beim Besuch im Berufsbildungsbereich der Ledder Werkstätten am 24. Januar in Ladbergen mitgebracht. Die Bundesbildungsministerin möchte 2019 zum „Jahr der Berufsbildung“ machen. Am Herzen liegt der Christdemokratin, dass die handwerkliche Ausbildung gleichberechtigt neben der universitären steht. Und auch, dass Menschen mit Behinderung umfassende Bildungsangebote bekommen.

Genau das leistet der Berufsbildungsbereich der Ledder Werkstätten seit vielen Jahren im Rahmen eines bundesweiten Netzwerks, der Arbeitsgemeinschaft pädagogische Systeme (agps e.V.): Inzwischen 14 Werkstätten haben darin ein standardisiertes Bildungssystem entwickelt. Anja Karliczek zeigte sich bei der Präsentation beeindruckt vom Umfang der Lernmaterialien. Die Ministerin ließ sich von Melanie Niewand auch über die methodische Systematik des Lernens informieren. Im Rahmen dieser Systematik entstehen in der Arbeitsgemeinschaft anschauliche Lerneinheiten, die sich an den Inhalten der Bildungsrahmenpläne orientieren. Lerneinheiten zu übergreifenden Themen zur Förderung der personalen Kompetenzen runden das Angebot ab.

Aktuell 50 überwiegend junge Menschen, Maßnahmeteilnehmer der finanzierenden Agentur für Arbeit und der Rentenversicherung, durchlaufen diese Prozesse im „QuBuS“, entdecken über 27 Monate Fähigkeiten, entwickeln sie in mehreren Praktika weiter und wechseln danach in den Arbeitsbereich ihrer Wahl. Abläufe und methodisches Material schaute sich die Ministerin genau an, um sich dann Zeit für direkte Gespräche mit Beschäftigten zu nehmen. Wie bewerten Sie das Bildungsangebot? Wie nehmen Sie die Vielfalt im „QuBuS“ wahr? Matthias Haverkamp beispielsweise erklärte ihr konkret den Umgang mit seiner Zählhilfe, um dann zu abstrahieren: „Wir machen hier viele verschiedene Sachen. Immer was Neues. Wir bekommen immer Hilfe.“
Tatjana Klausmeier schilderte ihre Wahrnehmung der Beruflichen Bildung und insbesondere der Lerneinheiten: „Ich habe hier weniger Stress und kann die Arbeit ohne Druck tun. Wir lernen hier auch Sachen für zuhause, so für den Alltag. Dass wir zum Beispiel gut miteinander umgehen.“

Zwei Hinweise nahm Anja Karliczek mit nach Berlin: Bislang werde die Berufliche Bildung in Werkstätten im Berufsbildungsgesetz gar nicht berücksichtigt, so Andreas Laumann-Rojer (Werkstattleitung). Er wies auf neue harmonisierte Bildungsrahmenpläne aus der Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten hin, die jetzt in den politischen Raum gelangen. Ein weiteres drängendes Problem bestehe darin, dass jungen Menschen, die inklusiv beschult würden, aber noch nicht volljährig seien, der Anschluss nach der zehnten Klasse fehle. Die Ministerin hörte zu und versprach, sich für die Anerkennung der Beruflichen Bildung einzusetzen. Auf Dauer werde es darum gehen müssen, auch unterhalb der dualen Ausbildung, also der Lehre, Teilabschlüsse und Qualifikationen gesetzlich zu verankern.